Tubbataha im Taka-Tuka-Land

14 Monate waren wir in Südostasien unterwegs. Vom 15. Februar 2018, als wir in Bangkok landeten, bis zum 5. April 2019, als wir Singapur in Richtung Neuseeland verliessen. Das gibt zusammengezählt 415 Tage, wovon wir insgesamt deren 11 unter Wasser verbracht haben. Eine ganze Menge also.

Bevor wir am 28. März 2019 den Hafen in Puerto Princesa (Philippinen) für die vorerst letzte Tauchsafari mit dem Ziel Tubbataha verliessen, hatten wir mit knapp 10 Tagen oder 240 Stunden im Blauen an Orten wie den Similan Islands, Alor, dem Banda-Archipel, Osttimor oder Raja Ampat schon so einiges gesehen. Und doch vermochte uns das philippinische Tauchparadies mit dem märchenhaften Namen regelrecht zu verzaubern.

Tubbataha-Rangerstation. Zehn bis zwölf Marine Park Rangers leben für jeweils drei Monate hier und schützen den Park mit regelmässigen Patrouillen vor illegalen Aktivitäten. Die Station liegt 130 km entfernt von der nächsten bewohnten Insel.

Das Tubbataha-Riff, welches aus drei Atollen besteht, liegt inmitten der Sulusee. Es ist bis auf eine Rangerstation komplett unbewohnt und seit 1988 eine “No Take Zone”, was bedeutet, dass in dieser Region seit über 30 Jahren niemand einen Fisch gefangen hat – ausser den Rangern, welchen dies zur Selbstversorgung erlaubt ist. Es gibt weltweit nur wenige Orte, welche noch länger ähnlich gut geschützt sind. Die Region um das Eco Resort im Südwesten von Misool in Raja Ampat, welche öfters und absolut zu Recht als Musterbeispiel für Meeresschutzzonen dient, ist zum Vergleich “erst” seit 20 Jahren komplett geschützt. Ein Beispiel für die vorbildliche Organisation des Tubbataha Reefs Natural Park: Bevor wir den Hafen in Puerto Princesa verlassen durften, betraten zwei Mitarbeiter und eine Meeresbiologin des Tubbataha-Managements unser Tauchboot und erklärten uns, wofür die Tubbataha-Riffgebühr erhoben wird und welche Verhaltensregeln beim Tauchen gelten. Etwas, was wir sehr begrüsst und so noch nie erlebt haben.

Offizielles Video vom Tubbataha Reefs Natural Park

“Tubba wie bitte?”, “Tabatuba was?” oder “Taka-Tuka wie bei Pippi Langstrumpf?” waren so ungefähr die Reaktionen von fast allen, welchen wir erzählt haben, wo die Tauchsafari hinführt. Selbst in den Philippinen ist Tubbataha nur wenigen ein Begriff. Auch wir selbst sind mehr durch Zufall auf diese Region gestossen, haben bei der Recherche aber sehr schnell festgestellt, dass wir dieses UNESCO Weltnaturerbe unbedingt betauchen möchten. Da diese drei Atolle aber lediglich drei Monate im Jahr angefahren werden und der Trip nur von wenigen Schiffen angeboten wird, hatten wir Glück, trotz kurzer Vorlaufzeit einen Platz auf einem nicht allzu luxuriösen Schiff zu finden.

M/Y Resolute: früher sowjetisches Spionschiff, heute Tauchsafariboot

Nach 13 Stunden Fahrt übers offene Meer und einer angenehmen Nacht in einer der neu renovierten Kabinen erreichten wir unseren ersten Tauchplatz. Am Abend zuvor waren unter den Gästen noch Erwartungen ausgetauscht worden und wir hörten von anderen, auf was für Begegnungen sie unter Wasser hofften. Walhai, Manta oder Tigerhai wurden gewünscht. Die Tatsache, dass auf dem vorangehenden Trip ein Tigerhai gesichtet wurde und Walhaie in dieser Region öfters zu Gast sind, machte es einem nicht einfacher, die eigenen Erwartungen tief zu halten – was eigentlich generell unser Credo ist. Das Wetter und die Bedingungen waren sehr gut, als wir schliesslich morgens kurz vor 9 Uhr als dritte und letzte Gruppe zusammen mit einem spanischen Buddyteam und unserem Guide mit einer “Rolle rückwärts” von einem der beiden Beiboote in die Unterwasserwelt von Tubbataha eintauchten.

Die Unterwassertopografie des Tubbataha-Riffs ist fast überall einheitlich und so glich sich der Ablauf der einzelnen Tauchgänge meistens: Man lässt sich über dem Riffdach bei einer Tiefe von ca. zehn Metern ins Wasser fallen, taucht zur Riffkante, bei welcher das Riff – manchmal unterbrochen von kleineren Plateaus – ins “Bodenlose” fällt, folgt der Riffwand in Richtung der Strömung und beendet den Tauchgang jeweils gemütlich wieder auf dem Riffdach.

So erblickten wir als erstes sehr schöne, unglaublich intakte Hartkorallen in tollen Farben, welche von vielen kleinen Rifffischen bewohnt werden. Nach wenigen Sekunden schwamm eine junge Blauflossenmakrele vorbei, was immer ein gutes Zeichen ist, da Makrelen sehr beliebte Speisefische sind und in stark befischten Riffen kaum noch zu sehen sind. Ein paar Flossenschläge später näherte sich uns ein stattlicher Barrakuda und beäugte uns wohl genau so neugierig wie wir ihn. Während wir uns noch auf den Barrakuda konzentrierten, sahen wir ein paar Meter weiter entfernt einen jungen Napoleon, welcher uns nicht ganz so sehr traute und sich nur in gebührender Distanz wohlfühlte. Als der Barrakuda sich wieder auf ins Blaue machte, liess ich mich ganz nah aufs Korallenriff sinken, um unter eine mächtige Tischkoralle zu schauen. Und siehe da, dort schliefen friedlich zwei kleine Weissspitzenriffhaie. Sofort wollte ich meine Entdeckung mit Désirée teilen, doch noch bevor ich ihr die Handzeichen für die schlafenden Babyhaie geben konnte, deutete sie auf einen erwachsenen Weissspitzenriffhai, welcher friedlich seine Bahnen über dem Riff zog. Ich war baff. Es waren noch keine zehn Minuten vergangen, wir hatten noch nicht mal die Riffkante erreicht und was wir bis zu dem Zeitpunkt gesehen hatten, könnten gut auch die Highlights eines ganzen Tauchurlaubs sein.

Grüne Meeresschildkröte umgeben von Korallen

Dieser erste Tauchgang wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Auch die darauffolgenden waren keinesfalls weniger spektakulär und brachten noch die eine oder andere Überraschung. Die Riffwände sind beindruckend und den Korallen sieht man definitiv an, dass es sehr lange her ist, seit sie von Netzen oder anderen Fischereimethoden in Mitleidenschaft gezogen wurden. Von riesigen intakten Hartkorallenfeldern über von Weichkorallen überzogenen Wänden ist auch die Diversität der Korallen sehr gross. Was einem aber als erstes auffällt, ist die unglaubliche Anzahl an Riffhaien. Bei jedem einzelnen Tauchgang sahen wir sie. Die nahe am Riff lebenden Weissspitzenriffhaie und die Grauen Riffhaie, welche lieber ein wenig weiter vom Riff entfernt ihre Bahnen ziehen. Wir sahen sie in allen Grössen – von kleinen Babys bis zu stattlichen Erwachsenen. Es macht einen nachdenklich und gibt jedem Taucher einen Eindruck, wie die Riffe dieser Welt wohl alle aussahen, bevor wir Menschen sie zu plündern begannen. Klar ist, dass das Tubbataha-Riff ein absoluter Hotspot ist und scheinbar der einzige Ort, an welchen Jacques Cousteau nochmals zurückkehrte. In Mitten der Sulusee und von mehreren tausend Meter tiefem Wasser umspült, mit flachen, geschützten Lagunen und strömungsreichen Ecken, sind die Bedingungen für viele Meeresbewohner, von sehr klein bis ganz gross, nahezu perfekt. Zur richtigen Zeit sind Begegnungen mit Mantas fast garantiert, Schildkröten sieht man in allen Grössen und auch die ganz grossen Haie – angefangen beim Walhai über den Tigerhai bis zum Hammerhai – werden regelmässig gesichtet. Eine Gruppe auf unserem Schiff sah einen jungen Tigerhai, wir wiederum hatten das Glück einen grossen Hammerhai einige Meter unter uns zu sehen. Neben dem Grossen ist aber auch die Masse an nicht ganz so Grossem unglaublich beindruckend. Wir sahen riesige Schulen von Grossaugenmakrelen und Büffelkopf-Papageienfische. Zudem sahen wir bei fast allen Tauchgängen Thunfische und diese teilweise in einer Grösse, dass so mancher Riffhai schnell Schutz im Blauen suchte oder sich im Riff versteckte.

Lässt Taucher klein aussehen: Dogtooth Tuna irgendwo im Tubbataha-Schutzgebiet

Das Tubbataha-Riff hat uns schwer beeindruckt und auch wir können es uns sehr gut vorstellen, nochmals an diesen traumhaften Ort zurückzukehren. Dass wir bei fast keinem unseren Tauchgängen andere Taucher sahen und häufig das einzige Schiff am Tauchplatz waren, verstärkte für uns ganz klar die tollen Eindrücke von Unterwasser. So muss ich zugeben: Das Tubbataha-Riff würde wunderbar ins Taka-Tuka-(Wunder-)Land passen… 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s